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Der Vanguard FTSE All-World ETF: Dir gehört die Welt

Die ganze Welt in nur einem Produkt. Der Vanguard FTSE All World gehört zu den 7 ETFs, die tatsächlich die ganze Aktienwelt in nur einem Produkt abbilden. In diesem Beitrag durchleuchten wir den ETF und schauen was in ihm steckt.

Der Vanguard FTSE All-World: Das steckt drin

Der ETF Vanguard FTSE All-World UCTIS bildet den Weltaktienindex FTSE All-World ab.

Dieser Index umfasst mehr als 90% des Börsenwertes aller gelisteter Aktien weltweit. Per 31.5.2021 waren 4.038 Aktien weltweit im Index enthalten. Zum Vergleich: Der bekannteste deutsche Aktienindex DAX enthält lediglich die 30 größten Werte aus Deutschland. Verglichen mit dem Welt-Index ist der Dax somit nur eine Randnotiz im weltweiten Aktienmarkt.

Anders als der bekanntere MSCI World enthält der FTSE All-World auch Aktien aus Schwellenländern.

Bei über 4.000 Aktien macht es nicht in allen Fällen Sinn den Index 1:1 abzubilden. Während die Rendite des zugrundeliegenden Index komplett ohne Transaktionskosten ermittelt wird, fallen bei der konkreten Umsetzung, dem ETF, die Transaktionskosten für den Erwerb und Verkauf von Anteilen natürlich an.

Die Differenz zwischen der Rendite des Index ohne Kosten und der Rendite nach Kosten für den ETF wird Tracking Error genannt. Der ETF Anbieter ist bestrebt diesen Tracking Error möglichst gering zu halten.

Dies gelingt unter anderem dadurch, dass z.B. kleinere oder wenig gehandelte Titel mit vergleichsweise hohen Transaktionskosten nicht im ETF enthalten sind. Per 31.5.2021 enthielt der ETF daher tatsächlich 3.589 von 4.038 Titeln.

Auf der Produktseite von Vanguard kann im Abschnitt „Aufschlüsselung der Positionen“ die Liste aller enthaltenen Titel mit Marktwert und Anzahl Anteile heruntergeladen werden.

Als Besitzer des Vanguard FTSE All-World ETFs ist man damit Teilhaber an 1,6 Billionen Aktien (Anteilspapiere) mit einem Wert von über 11 Mrd USD.

Apple ist mit 335 Mio USD und einem Anteil von ca. 2,9% der größte Wert im ETF. Wer also ETF Anteile für 1.000 € kauft, ist mit 29 € an Apple beteiligt.

Der kleinste Wert ist Stand Mai 2021 der Titel von Brightoil Petroleum Holdings mit immerhin knapp 32.000 Anteilen. Der Wert liegt allerdings nur bei mageren 834,50 USD. Grund: Die Aktien sind nicht mehr an der Börse handelbar.

Mit dem Vanguard FTSE All-World investierst du extrem breit gestreut. Du investierst direkt oder indirekt in

  • fast alle börsengehandelten Aktien
  • die wichtigsten Währungen weltweit (je nachdem in welchem Währungsraum das Unternehmen gelistet ist)
  • Immobilien, die von Immobilienunternehmen oder von allen anderen Unternehmen gehalten werden
  • die Wertentwicklung von Gold durch „Minenaktien“…
  • In Bitcoin, da du ja z.B. Tesla im Portfolio hast 😊
  • also: direkt oder indirekt in die gesamte Weltwirtschaft und alles was werthaltig ist

Mehr Streuung geht fast nicht und weitere ETFs erhöhen sogar die Gefahr, dass die Streuung reduziert wird, wie ich anhand von Gummibärchen im Beitrag „1 Welt-ETF reicht: Jeder weitere ETF ist eine Wette und kann sogar die Streuung reduzieren“ aufgezeigt habe.

Der perfekte ETF für die prognosefreie Anlagestrategie

Eine Prognose bedeutet die Zukunft vorauszusagen. Spielt beim Fußball der amtierende Europameister Italien gegen Lichtenstein, dann ist eine Prognose relativ einfach. Ich vertrete die Ansicht, dass an den Aktienmärkten Prognosen nicht möglich sind.

Die Preise der Aktien werden durch die Meinung tausender Marktteilnehmer bestimmt. Die Börsen sind quasi eine Echtzeit-Meinungsforschung unter allen Marktteilnehmern. Das ist Schwarmintelligenz in Perfektion. Was befähigt mich als Privatanleger schlauer als tausende Marktteilnehmer zu sein?

Daher versuche ich erst gar nicht schlauer als der Markt zu sein, sondern investiere mit dem Vanguard FTSE All-World einfach vollautomatisch in die weltweite Marktmeinung. Damit bekommt Crowdinvesting einen ganz anderen Character.

Die prognosefreie Anlagestrategie ist perfekt auf mich zugeschnitten. Ich muss mir nicht den Kopf zerbrechen, welche Aktien, Märkte, Trends, etc. in Zukunft die beste Rendite abwerfen. Stattdessen kaufe ich mit dem Vanguard FTSE All-World einfach alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Ein paar werden herunterfallen (siehe Brightoil), aber in Summe werde ich die weltweite Aktienrendite abschöpfen, ohne irgendeine Prognose zu treffen.

In der Serie „1-Welt-ETF reicht“ habe ich aufgezeigt warum langfristig nach Kosten die prognosefeie Anlagestrategie allen anderen Anlagestrategien überlegen sein muss.

Der selbstregulierende Mechanismus

Wer den Aktienmarkt vor 30 Jahren mit dem heutigen vergleicht, der wird viele Unternehmen finden, die bereits nicht mehr existieren und gleichzeitig neue Unternehmen identifizieren, die vor 30 Jahren noch lange nicht gegründet waren.

Der Vanguard FTSE All-World passt sich automatisch dieser Dynamik an. Unternehmen, die nicht wirtschaftlich sind, werden automatisch aus dem Index entfernt, während neue innovative Unternehmen automatisch aufgenommen werden.

Der Vanguard FTSE All-World ist also immer auf der Höhe der Zeit und bildet die jeweils aktuelle Börsenwelt nahezu 1:1 ab.

Der Grund ist die Marktgewichtung (also der Börsenwert) als Auswahl- und Gewichtungskriterium.

Stellen wir uns dafür eine Welt mit nur zwei Ländern und zwei börsengehandelten Unternehmen vor. In Land A ist das Unternehmen A ansässig und in Land B das Unternehmen B. Beide Unternehmen haben exakt denselben Börsenwert und haben damit jeweils einen Anteil von 50% im „weltweiten“ Aktienindex.

Auch die Wirtschaftskraft der beiden Länder, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), ist exakt gleich.

Nach 10 Jahren ist Unternehmen A dreimal so wertvoll wie Unternehmen B. Der Vanguard FTSE All World, in dieser vereinfachten Welt, enthält jetzt die beiden Unternehmen mit einer Gewichtung von 75% Unternehmen A und 25% Unternehmen B.

Um diese Gewichtung zu erhalten, musste keine Umschichtung erfolgen, da der Wert der Aktien automatisch die Gewichtung verschoben hat.

Stellen wir uns vor, dass beide Länder nach wie vor dieselbe Wirtschaftskraft haben. Bei einem BIP-gewichteten Index wäre ein aktives Umschichten notwendig gewesen, damit die beiden Unternehmen den BIP-Anteil von 50% im Index einnehmen.

Ein marktgewichteter Index ist somit ein selbstregulierender Index, der sich automatisch und ohne Umschichtung den Bewertungen der Märkte anpasst.

Warum gibt es zwei von der Sorte?

Der Vanguard FTSE All-World kommt im Doppelpack daher. Es gibt tatsächlich zwei Varianten, die vom Inhalt aber absolut identisch sind.

Stellen wir uns die Zwillinge Wolfgang und Shakira vor. Beide investieren mit dem Vanguard FTSE All-World weltweit in die Aktienmärkte.

Wolfgang möchte komplett vom Zinseszins-Effekt profitieren und legt alle Gewinnausschüttungen der Unternehmen direkt wieder an. Die Variante Vanguard FTSE All-World Accummulating macht das vollautomatisch für Wolfgang.

Shakira hingegen möchte die Gewinnausschüttung zum Shoppen nutzen und lässt sie sich daher regelmäßig auszahlen. Mit der Variante Vanguard FTSE All-World Distributing kann sie diesen Wunsch realisieren und bekommt vierteljährlich die Gewinnausschüttung auf ihr Konto gutgeschrieben.

Auch wenn beide einen unterschiedlichen Kurs haben, entwickeln sie sich komplett identisch, sofern die Wertentwicklung korrekterweise nach der normierten BVI-Methode vorgenommen wird.

Kann der Vanguard FTSE All-World pleitegehen?

Rein technisch kann der FTSE All-World pleitegehen. Doch was würde das konkret bedeutet?

Damit der Vanguard FTSE All-World pleitegeht, müssen alle enthaltenden Aktien wertlos sein. Das bedeutet gleichzeitig, dass alle Unternehmen, die uns tagtäglich mit Produkten, Lebensmitteln und Dienstleistungen versorgen ebenfalls pleite sind. Gleichzeitig nehmen keine anderen Unternehmen ihren Platz ein.

Wir leben dann also in einer Welt in der es keine Unternehmen mehr gibt, die unsere Bedürfnisse mit ihren Produkten befriedigen.

In einer solchen Welt ist mein Aktiendepot dann sicher das mit Abstand kleinste Problem.

Nein, der Vanguard FTSE All-World kann nicht pleitegehen, solange börsenhandelte Unternehmen einen Wert haben.

Fazit

Schau dich mal in deiner Umgebung um. Die Mehrzahl der Produkte in deinem täglichen Umfeld stammt von börsennotierten Unternehmen. Mit dem Vanguard FTSE All-World gehört dir ein Teil dieser Unternehmen und du profitierst von jedem verkauften Produkt. Dir gehört damit also ein Teil der Welt.

Meine Kinder haben das bereits verinnerlicht und geben gerne ihre Smarties ab. Denn sie wissen, mit jeder verkauften Rolle steigt der Wert ihres Depots.

In 30 Jahren wird es neue Trends geben und wir werden bisher unbekannte Produkte, Marken und Dienstleistungen von Unternehmen haben, die es heute noch gar nicht gibt.

Egal was passiert, der Vanguard FTSE All-World wird alle zukünftigen erfolgreichen Unternehmen enthalten und meine Kinder brauchen sich um nichts zu kümmern.

Beitragsbild von Yuri_B auf Pixabay

Weitere Infos zum Thema

Meine Beitragsserie: 1-Welt-ETF reicht
Mein Beitrag: Wie du Elon Musk, Warren Buffett und die besten Köpfe der Welt für dich arbeiten lässt
Mein Beitrag: Der All-Inclusive ETF? Mit Vanguard LifeStrategy die Geldanlage weiter automatisieren
Mein Beitrag: Nachhaltig anlegen in die grüne Welt-AG mit „Vanguard ESG Global All Cap ETF“

Finanzfluss: Vanguard FTSE All World: Der ETF im Portrait

Produktseite: Vanguard FTSE All-World
Tracking Error / Tracking Difference: Vanguard FTSE All-World bei trackingdifference.com

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Mein Name ist Andree de Boer. Ich investiere seit Jahren passiv und prognosefrei mit der 1-ETF-Strategie erfolgreich in die Weltwirtschaft. Ich habe Erfahrung mit Immobilien, Immobilienfinanzierung und hole selbst aus der Riester-Rente eine überdurchschnittliche Rendite heraus.


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Ich nutze den Vorteil eines Privatanlegers gegenüber institutionellen Anlegern und realisiere damit langfristig eine bessere Rendite als die Profis.

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10 Gedanken zu „Der Vanguard FTSE All-World ETF: Dir gehört die Welt

  1. Hallo,

    schöner Beitrag! Ich bin mittlerweile auch von dem 1-ETF-reicht-Konzept überzeugt, habe mich aber für den Vanguard ESG Global All Cap entschieden. Du hattest über den schon mal geschrieben. Natürlich sind ESG-Kriterien wieder eine Prognose, wenn man so will. Dafür ist der ETF mit momentan über 5000 Aktien noch reichhaltiger aufgestellt und enthält sogar ich einige Small und sogar Micro Caps. Das wird zwar Kosten verursachen dafür habe ich aber das gute Gefühl, noch breiter aufgestellt zu sein.

    Ich vergleiche regelmäßig die Performance des FTSE All-World und des ESG Global All Cap und bin gespannt, ob und wie sich die beiden in 10 Jahren unterscheiden werden.

    In beiden Fällen handelt es sich aber um wirklich sehr entspanntes Investieren.

  2. @Danke, Andree, eine schoene Ode an den Vang.All World 😉

    Ausschuetter/Thesaurierer:
    Der Satz muss heissen: „… entwickeln sie sich komplett identisch AUF DEM PAPIER (= theoretisch) ABER NICHT BEIM ANLEGER, …“

    Denn folgende Faktoren bewirken, dass die ausschuettende Variante BEIM ANLEGER zu einer Minderrendite gegenueber dem Thesaurierer fuehrt:
    – die Steuer, (falls der Sparerfreibetrag ueberschritten ist, ist nur ein um die Kapitalertragssteuer von 0,26375 x 0,7 geminderter Betrag zur Wiederanlage vorhanden)
    – die verpasste Kursentwicklung, die beim Anleger zwischen Ausschuettung und Wiederanlage liegt (1-2d? oder gar die Zeit bis zur naechsten Sparplanausfuehrung?)
    – die verpasste Kursentwicklung, bei der der ETF-Anbieter die Dividenden erst ansammelt und schliesslich ausschuettet (ca. 3 Monate), diese ca. 1,5-2% an Dividenden vom Depot sind also stets ca. 3 Monate nicht investiert.
    Ich tracke das spasseshalber seit fast zwei Jahren und auf Anleger-Seite (Start mit je 100k€) ist ein Unterschied von 900€ aufgelaufen (soviel ist der Thesaurierer schon besser).
    Dabei ist das noch schoen-gerechnet (sofortige Wiederanlage, ohne Kosten fuer Wiederanlage, auch mit krummen Betraegen, obwohl eigentlich nur ganzzahlige Stuecke bei Boersenkauf moeglich).

    Aber hey, sind ja nur „Peanuts“ (fuer manche).

    LG Joerg

    1. Moin Jörg,

      du hast recht. Bei vielen Anlegern scheint aber auch die emotionale Komponente der Ausschüttung ein wichtiger Aspekt zu sein.

      Gruß
      Andree

  3. Gibt es für den MSCI oder FTSE All-World Index eine langjährige „Unterwasser“ – Grafik (Abstand zum vorangegangenen Allzeithoch) so daß jeder erkennen kann auf was er sich einläßt?

  4. Was sagst Du als Fachmann zur BOTSIdefensiv – Strategie als angeblich bessere Alternative zum MSCI World Index? 2,35% Kosten p.a. sowie 10% Erfolgsgebühr nach der High-Watermark-Methode sind zunächst ein heftiges Renditehemnis? Zumal der Fonds erst seit 2020 existiert und die Darstellung der Rendite ab dem Jahr 2000 scheinbar nur eine Rückrechnung durch Data Mining ist? Außerdem hat Timing durch Anpasung der Aktienquote bisher bei vielen anderen Profis nicht funktioniert?

    https://www.boerse-vermoegensverwaltung.de/

    1. Hallo Uwe,

      ohne mich jetzt im Detail mit dem BOTSIdefensiv beschäftigt zu haben, reicht mir ein schneller Blick:

      – Viel zu teuer
      – Offensichtlich nur im Backtest gut. Seit Auflage schlechtere Performance als der FTSE All-World
      – Renditedarstellung ab 2000, also genau vor den zwei großen Krisen der letzten Jahre

      Scheint so ein Krisenalpha zu sein. Mit dem Thema werde ich mich noch eingängiger beschäftigen.

      Gruß
      Andree

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