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Wie du Elon Musk, Warren Buffett und die besten Köpfe der Welt für dich arbeiten lässt

Stell dir vor Jeff Bezos (Amazon), Mark Zuckerberg (Facebook), Warren Buffett (Berkshire Hathaway), Elon Musk (Tesla) und über 3.000 weitere Unternehmenslenker, der größten Unternehmen weltweit, arbeiten Tag für Tag für dich.

Mit ihnen Zehntausende von Angestellten, die ebenfalls Tag für Tag dafür sorgen, dass ihre Unternehmen erfolgreich sind.

Bei jedem Verkauf eines Autos, Ipads, Big Macs oder einer Cola profitierst auch du. Bei verkauften Artikeln auf Amazon, Alibaba oder eBay bist auch du mit von der Partie. Auch das Anklicken der Google oder Facebook Ads lässt dich erfreuen.

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People, Passion, Performance: Als ehemaliger Mitarbeiter der Hamburg Süd (Teil der Maersk Gruppe) kann ich sagen, dass die ehemaligen Kollegen jeden Tag durch ihr Engangement dazu beitragen, dass die Weltwirtschaft am Laufen gehalten wird.
(Bildquelle: Hamburg Süd)

Aber wie geht das? Wie kann es sein, dass die besten Köpfe der Welt für dich arbeiten und du von einem Großteil der weltweiten Umsätze profitierst?

Naja, eigentlich ganz einfach. Du beteiligst dich an deren Unternehmen in Form von Aktien.

Mit dem Erwerb der Aktien bist du Anteilseigner der Unternehmen. Du profitierst direkt von den Gewinnen. Wenn es schief läuft, bist du natürlich auch direkt an Verlusten beteiligt. Als Investor partizipierst du an den Chancen, trägst aber auch das Risiko.

Das Risiko als Investor sind die Schwankungen am Markt. Die Chance ist eine hohe Rendite. Chancen und Risiken sind das Yin und Yang des Investors. Eine hohe Rendite kann nur durch das gleichzeitige Eingehen von Risiken erzielt werden. Die Rendite ist damit die Prämie für das Eingehen von Risiken.

Die Kunst eines guten Investors ist, die Risiken kalkulierbar zu machen.

Um die Risiken kalkulierbarer zu machen, nutzen wir empirische Erkenntnisse aus der Vergangenheit und schreiben diese als Annahme für die Zukunft fort:

Wie du in die Weltwirtschaft investieren kannst

Aber wie kann ich in die Weltwirtschaft investieren? Ein Korb von ca. 10.000 börsengehandelten Unternehmen deckt 99% des weltweiten Aktienmarkts ab. Wir packen jetzt alle 10.000 Unternehmen auf eine Liste und sortieren absteigend nach ihrem Börsenwert.

Den Börsenwert der einzelnen Unternehmen setzen wir dann ins Verhältnis zu dem Gesamtwert aller Unternehmen in der Liste. Damit bestimmen wir den prozentualen Anteil der Unternehmen.

Als exemplarisches Beispiel nehmen wir konkrete Daten aus dem Weltindex FTSE All-World von Vanguard:

PositionProzentualer AnteilMarktwert
Microsoft Corp.2,91171 %$ 130.910.813
Apple Inc.2,55944 %$ 115.072.328
Amazon.com Inc.1,99061 %$ 89.497.997
Facebook Inc.0,97248 %$ 43.722.784
Alphabet Inc. Class C0,89073 %$ 40.047.176
Johnson & Johnson0,84937 %$ 38.187.547
Alibaba Group Holding Ltd. ADR0,83435 %$ 37.512.469
Alphabet Inc. Class A0,80776 %$ 36.316.747
Nestle SA0,72329 %$ 32.519.343
JPMorgan Chase & Co.0,68491 %$ 30.793.411
UEM Sunrise Bhd.0,00001 %$ 622
Das Produkt Vanguard FTSE All-World enthält ca. 3.600 Aktien
Quelle: Vanguard

Jetzt stellen wir uns vor, wir möchten monatlich 1.000 € in die Weltwirtschaft investieren. In unserem Beispiel würden wir knapp 30 € in Microsoft, knapp 25 € in Apple und so weiter investieren. Die Microsoft-Aktie lag Ende März 2020 bei knapp 150 €, Apple bei etwa 230 €. Wir würden für unsere Sparrate damit gar keine Anteile erwerben können, geschweige denn für alle 10.000 Aktien.

Es ist also für den einzelnen Anleger extrem teuer und extrem aufwändig in den gesamten Aktienmarkt und damit in die Weltwirtschaft zu investieren. Da muss es andere Lösungen geben.

Der Indexfonds

Ein sogenannter Indexfonds tut genau das was dem einzelnen Privatanleger im obigen Beispiel verwehrt bleibt. Er sammelt das Geld der Anleger ein und investiert nach fest vorgegebenen Regeln das Geld der Anleger anteilig in die jeweiligen Positionen der Liste.

John C. Bogle gilt als Pionier des Indexfonds. Er gründete 1974 die Investmentgesellschaft The Vanguard Group, die als erste Indexfonds für Privatanleger anbot. Hintergrund war die Erkenntnis von Bogle, dass klassische, aktiv gemanagte Investmentfonds, in mehr als 80% der Fälle, den jeweiligen Vergleichsindex nach Kosten nicht schlagen konnten.

Stellen wir uns ein Marathon mit tausenden Läufern vor. Es gibt den durchschnittlichen Läufer mit einer Zeit von 4 Stunden. Nennen wir ihn Ingo Index. Er repräsentiert den Indexfonds. 50% laufen die Strecke schneller als 4 Stunden und 50% brauchen länger als 4 Stunden. Jetzt bekommen alle Läufer – mit Ausnahme von Ingo Index – noch einen Rucksack mit Gewichten umgehängt. Die Gewichte führen dazu, dass plötzlich 80% langsamer als die 4 Stunden laufen. 20% können trotz der Gewichte unter 4 Stunden laufen. Ingo Index läuft aber seine 4 Stunden und ist plötzlich nicht mehr Durchschnitt, sondern nah an der Spitze.

Die Gewichte symbolisieren die Kosten, die regelmäßig dazu führen, dass nur eine vergleichsweise kleine im Vorhinein nicht prognostizierbare Gruppe besser als der Index abschneidet. (Hier ein Beispiel für eine der zahllosen Studien zu dem Thema; In meinem Beitrag „Die versunkenen Kosten oder die emotionale Rechtfertigung von Fehlentscheidungen“ habe ich mir die Top-Fonds vor 10 Jahren angeschaut. Keines der damaligen noch auf dem Markt befindlichen Top-Fonds konnte in den letzten Jahren den Weltindex schlagen.).

Bogle erkannte das bereits damals schon und führte Produkte ein, die nichts anderes taten als einen Index abzubilden und damit breitgestreut das passive Investieren ermöglichten.

Die heute bekannte Form der Indexfonds sind die sogenannten Exchange Traded Fonds (ETFs). Anders als die klassischen Indexfonds sind ETFs wie der Name andeutet über die Börse handelbar und werden nicht direkt von der Fondsgesellschaft herausgegeben. Dies ist Fluch und Segen zugleich. Die leichte Handelbarkeit kann einen passiven Anleger schnell zu einem aktiven Anleger werden lassen (siehe auch meinen Artikel: Aktive und passive Anlagestrategien – eine Symbiose).

In den Vereinigten Staaten gibt es eine Investorengruppe, die sich sie Bogleheads nennen. Sie praktizieren die passive Anlagephilosophie basierend auf John C. Bogle.

Im deutschsprachigen Raum gilt das Buch „Souverän Investieren mit Indexfonds und ETFs“ von Gerd Kommer als Standardwerk für das passive Investieren. Es gibt hierzulande auch viele Anhänger dieser Anlagestrategie. Bisher haben sie sich noch nicht zu den „Kommerheads“ oder „Kommerköpfen“ organisiert. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. 🙂

Der Index

Ein Indexfonds oder ETF bildet also einen Index ab. Aber welche Indizes gibt es eigentlich? Kommen wir dafür wieder auf unsere Liste der 10.000 Aktien zurück. Neben dem Börsenwert fügen wir noch weitere Informationen wie z.B. Land und Region des Unternehmenssitzes, Branche des Unternehmen oder Bewertungs-Kennzahlen wie z.B. Kursgewinn-Verhältnis (KGV). Ein Index ist nichts anderes als die Festlegung nach welchen Kriterien gefiltert und sortiert wird.

Beispiele

  • DAX: Hier filtern wir nach Aktien mit dem Unternehmenssitz Deutschland und wählen die ersten 30 aus.
  • MSCI World: Wir filtern nach den 26 als Industriestaaten klassifizierten Ländern und wählen die größten Unternehmen aus, die zusammen 85% des Marktwertes repräsentieren (derzeit ca. 1.600 Unternehmen).
  • Beispiel S&P500: Wir filtern nach Aktien mit dem Unternehmenssitz USA und wählen die ersten 500 aus.

Ein Index definiert also Kriterien nach denen Aktien ausgewählt werden. Der Indexfonds setzt diese Kriterien um. Entspricht eine Aktie nicht mehr den Kriterien, dann wird sie aus dem Index entfernt. Umgekehrt werden neue Aktien aufgenommen, die mittlerweile den Kriterien entsprechen. (Jüngstes Beispiel im Dax war der Aufstieg von Wirecard und der Abstieg der Commerzbank.)

Das ist der große Unterschied zu aktiven Aktienfonds. Hier werden die Kriterien für die Aufnahme oder das Abstoßen einer Aktie von einem Fondsmanager aktiv und je nach Marktlage entschieden. Beim Index werden die Kriterien einmal am Anfang festgelegt, der Indexfonds bildet das einfach nur stur nach. Das führt zu einem großen Kostenvorteil, da kein teures Management mit aufwändigen Analysen finanziert werden muss.

Es gibt mittlerweile Indizes/ETFs wie Sand am Meer. Man kann sich vorstellen, dass nach allen möglichen und unmöglichen Kriterien gefiltert und sortiert werden kann. Ob das immer sinnvoll ist, steht auf einem zweiten Blatt.

Prognosefreies Investieren

Bei einem Großteil der verfügbaren Indizes gehe ich auch immer eine Wette ein. Beispiel DAX: Damit wette ich implizit, dass sich die 30 größten deutschen Aktien besser entwickeln als der weltweite Aktienmarkt. Beispiel S&P500: Ich wette darauf, dass sich auch in Zukunft die amerikanischen Unternehmen überdurchschnittlich gut entwickeln werden. Gleichzeitig wette ich implizit gegen die aufstrebenden Schwellenländer wie z.B. China. Mit ETFs kann ich auf Branchen, Regionen, Länder und alles mögliche und unmögliche wetten.

Prognosefreies Investieren dagegen verzichtet auf das Filtern von Kriterien und investiert einfach in alle 10.000 Aktien.

Damit hat man sowohl heute als auch zukünftig die besten Unternehmen in seinem Portfolio. Es werden auch neue, heute noch unbekannte Unternehmen automatisch im Portfolio landen.

Natürlich hat man auch die schlechten Unternehmen im Portfolio. Da wir aber prognosefrei investieren und nicht vorgeben zu wissen, welche Unternehmen, Regionen, Länder oder Trends in Zukunft gut oder schlecht abschneiden werden, akzeptieren wir diesen Umstand.

Die Weltindizes

Wie investiere ich jetzt prognosefrei in die Weltwirtschaft? Na, indem ich möglichst in alle 10.000 Aktien investiere. Es gibt meiner Meinung nach drei auf dem deutschen Markt verfügbaren Indizes, die diesem Ziel am nächsten kommen:

1. MSCI World ACWI (All Countries World Index)

Der MSCI World ACWI investiert in ca. 3.000 Aktien in 23 Industrieländern und 26 Schwellenländern. Die 3.000 Aktien spiegeln etwa 85% der weltweiten Marktkapitalisierung wider.

2. MSCI World ACWI IMI (All Countries World Investable Market Index)

Der MSCI World ACWI investiert in ca. 9.000 Aktien in den Industrie- und Schwellenländern. Die 9.000 Aktien spiegeln etwa 99% der weltweiten Marktkapitalisierung wider.

3. FTSE All-World

Der FTSE-All World ist vergleichbar mit den MSCI World ACWI. Er basiert nur auf einen anderen Indexanbieter mit leicht unterschiedlichen Kriterien. Er investiert in ca. 3.600 Aktien in den Industrie- und Schwellenländern und bildet etwa 90% der weltweiten Marktkapitalisierung ab.

Hier die drei Weltindizes im Vergleich: https://www.fondsweb.com/de/vergleichen/ansicht/isins/IE00B6R52259,IE00B3YLTY66,IE00B3RBWM25

Aber keiner von denen investiert in alle 10.000 Aktien. Warum nicht?

Es ist kosten- und aufwandsmäßig nicht sinnvoll auch noch in die letzten Aktien mit einem verschwindend kleinen Anteil zu investieren. Daher werden die Kriterien so gewählt, dass ein Markt möglichst gut abgedeckt wird, ohne wirklich alle enthaltenen Aktien kaufen zu müssen. Hier greift das Pareto-Prinzip: Die letzten 20% der Aktien führen zu 80% des Aufwands und der Kosten.

Und was ist mit dem MSCI World?

In einschlägigen Medien wird der MSCI World als der Referenzindex für den weltweiten Aktienmarkt genannt. Der Index bildet zwar den überwiegenden Teil des weltweiten Marktes ab, allerdings eben nicht alles. Die Schwellenländer sind nicht enthalten. Viele Anleger nutzen daher eine Kombination aus den beiden Indizes MSCI World (Industrieländer) und MSCI Emerging Market (Schwellenländer). Da wir beide Aspekte möglichst in einen Index haben möchten, wurde der Index in dieser Aufstellung nicht berücksichtigt. Das bedeutet aber nicht, dass die Investition in den MSCI World schlecht ist. Für unser Beispiel deckt der Index nur nicht alles ab.

Fazit

Wenn du passiv, prognosefrei, kostengünstig und aufwandsarm investieren und dabei zu den Top 20% der Anleger gehören möchtest, dann ist ein Weltindex genau das Richtige für dich. Nebenbei hast du die Gewissheit, dass die besten Köpfe tagtäglich für deine Investition arbeiten und dass auch die zukünftigen Facebooks, Amazons, Apples und Googles dieser Welt automatisch zu deinem Portfolio gehören werden.

Wird die deutsche Automobilbranche den Rückstand in Sachen Elektroantrieb aufholen können? Da du prognosefrei investierst, musst du dir diese Frage nicht stellen. Wenn sie es schaffen, bist du automatisch dabei. Wenn nicht, wirst du trotzdem bei den Unternehmen dabei sein, die zukünftig den Takt bei der Mobilität angeben.

Wie du konkret in den weltweiten Aktienmarkt investieren kannst, erklärt mein 100k-Konzept.

Weitere Informationen:

Gerd Kommer: Die Fragwürdigkeit von Einzelaktien­investments
Finanzfluss (Video): MSCI ACWI: Der bessere Weltindex für ETF-Anlage?
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