VermögenAllgemein

Wie du deine Vermögensübersicht unabhängig von Marktschwankungen aufbaust

Oft übernimmt ein Partner die Rolle des „Finanzministers“ in einem Haushalt. Bei uns – welch Überraschung – übernehme ich diese Rolle. Jeden Monat gibt es eine Übersicht über Einnahmen und Ausgaben, sowie die Entwicklung des Nettovermögens.

Wenn sich die Werte wie erwartet entwickeln, dann wird die Übersicht wohlwollend zur Kenntnis genommen. Bei Abweichungen vom gewohnten Bild kommt es zu Rückfragen, die dann gemeinsam besprochen werden.

Da unser Portfolio einen Welt-ETF enthält, der natürlich auch Schwankungen unterworfen ist, weist die Übersicht keine aktuellen Buchwerte, sondern den bisher investierten Betrag aus. Die Buchwerte werden einmal jährlich aktualisiert.

So führt eine hohe Sparquote dazu, dass das Vermögen in den Monatsberichten – unabhängig von den Schwankungen an den Märkten – kontinuierlich steigt. Das schont nicht nur meine Nerven, sondern auch die meiner besseren Hälfte.

Im Folgenden zeige ich exemplarisch, wie wir unser Nettovermögen transparent und nervenschonend darstellen.

Das Nettovermögen

Das Nettovermögen ist grob definiert die Summe aller Vermögenswerte (Immobilie, Aktien, Bareinlagen wie Girokonto oder Tagesgeld, Rentenanwartschaften, Auto, etc.) abzüglich der Verbindlichkeiten (Kredite).

Robert Kiyosaki, Autor des Bestsellers „Rich Dad, Poor Dad“, unterscheidet Vermögenswerte und Verbindlichkeiten nach einer anderen Logik, die meines Erachtens besser passt:

Ein Vermögenswert ist etwas, das Geld in deine Tasche bringt.
Eine Verbindlichkeit ist etwas, das dir Geld aus der Tasche zieht.

Nach dieser Logik ist eine selbstgenutzte Immobilie oder ein privat genutztes Auto (zieht Geld aus der Tasche) eine Verbindlichkeit, während eine vermietete Immobilie oder ein Taxi ein Vermögenswert ist (bringt Geld in die Tasche).

Für eine transparente Vermögensaufstellung hat sich für uns die Unterscheidung in drei Kategorien bewährt:

  • Investitionen: Der Zweck dieser Kategorie ist einen Ertrag zu erwirtschaften. Beispiele sind: Aktien, Zinspapiere, vermietete Immobilien, Rentenanwartschaften, etc.
  • Eigentum: Der Zweck dieser Kategorie ist die Nutzung. Beispiele sind: privates Auto, selbstgenutzte Immobilie, Hausrat, etc.
  • Liquidität: Der Zweck dieser Kategorie ist es „flüssig“ zu sein. Beispiele sind: Girokonto, Tagesgeldkonto, kurzfristige Anleihen, etc.

Unabhängig davon was man selbst als Vermögen und Verbindlichkeit definiert, lohnt es sich eine Aufstellung zu machen.

Hier eine exemplarische Aufstellung für die drei Kategorien:

VermögenInvestitionswertBuchwertKosten/Ertrag
Eigentum (Auto)10.000 €6.000 €-400 €
Liquidität
Guthaben
   Kredit     
 
40.000 €
-60.000 €

40.000 €
-60.000 €

0 €
-300 €
Investitionen
   Immobilie
   ETFs
   Anwartschaften

280.000 €
100.000 €
45.000 €

360.000 €
140.000 €
80.000 €
 
800 €
-1,50 €
0 €
Summe415.000 €566.000 €98,50 €

Als Eigentumswert habe ich hier beispielhaft ein Auto aufgenommen. Die Investition betrug 10.000 €. Durch Wertverfall hat das Auto heute einen Marktwert von 6.000 €. Die monatlichen Kosten belaufen sich auf -400 €. Dieser Vermögenswert hat sowohl einen Wertverlust als auch einen negativen Cashflow (Geld aus der Tasche ziehen).

Ich persönlich würde ein Auto zum Hausrat zählen. Den Hausrat nehme ich nicht in die Vermögensbilanz auf. Das sollte je nach Wert der Position (z.B. teures Auto oder selbstbewohnte Immobilie) individuell betrachtet werden. Für dieses exemplarische Beispiel lassen wir das Auto in der Bilanz.

Bei der Liquidität besteht ein Immobilienkredit von -60.000 € einem Guthaben von 40.000 € gegenüber. Liquidität heißt flüssig zu sein. Dies kann bei größeren Investitionen mithilfe von „guten“ Krediten wie ein Immobilienkredit passieren. Ein ausreichendes Guthaben auf der anderen Seite reduziert die Gefahr auf einen „schlechten“ Kredit zurückgreifen zu müssen (Stichwort Rücklagen).

Bei den Investitionen haben wir eine vermietete Immobilie, ETFs und private Renten-Anwartschaften. In diesem Beispiel habe ich die Anwartschaften der gesetzlichen Rentenversicherung nicht mit aufgenommen, da sie kein Vermögen darstellt worauf Eigentumsrecht besteht. Die gesetzliche Rentenversicherung ist im hohen Maße von der Politik abhängig und dieser Teil kann nur begrenzt gesteuert werden.

Die Ertragsbilanz bzw. der Cashflow für den ETF ist in diesem Fall fast null. Da die ETFs und die Anwartschaften während der Vermögensaufbauphase thesaurierend sind, ist das nicht schlimm. Die Erträge werden also direkt wieder angelegt (thesauriert) und tauchen damit nicht in meinem Cashflow auf.

Investitionswert statt Buchwert

In der oberen Aufstellung habe ich zwei Werte: Den Investitionswert, den ich monatlich aktualisiere und den Buchwert, den ich nur jährlich aktualisiere und anschaue.

Während der Coronakrise ist der Buchwert gefallen. In meiner Aufstellung konzentriere ich mich aber voll und ganz auf den Investitionswert. Angenommen die Ausgaben (Abfluss) waren in diesem Monat um 500€ höher als die Einnahmen (Zufluss). Dann könnte das so ausgesehen haben:

VermögenInvestitionswertBuchwertKosten/Ertrag
Eigentum (Auto)10.000 €6.000 €-400 €
Liquidität
Guthaben
   Kredit     
 
(-500 €) 35.500 €
(+1.000 €) -59.000€

40.000 €
-60.000 €

0 €
-300 €
Investitionen
   Immobilie
   ETFs
 Anwartschaften

280.000 €
(+1.500 €) 101.500 €
 (+300 €) 45.300 €

320.000 €
120.000 €
70.000 €
 
800 €
-1,50 €
0 €
Summe(2.300 €) 417.300 €(-70.000 €) 496.000 €98,50 €

Trotz massiver Buchverluste von stattlichen -70.000 € haben wir beim Investitionswert eine positive Bilanz. Selbst wenn das Girokonto etwas weniger Guthaben ausweist, haben wir durch die Tilgung des Kredites die Liquidität in Summe erhöht. Durch Investitionen in ETFs und Anwartschaften (monatlicher Sparplan) konnte der Investitionswert und damit das investierte Kapital gesteigert werden.

Da der aktuelle Buchwert (graue Werte) in der monatlichen Aufstellung gar nicht auftaucht, haben wir vom Buchverlust überhaupt nichts mitbekommen. Klar, wir haben gewusst, dass die Märkte im März eingebrochen sind. Da wir aber auch die Höchststände nicht ständig sehen und der Buchwert am Jahresende wegen des mittlerweile langen Investitionszeitraums regelmäßig über dem Investitionsbetrag lag, war bei uns hinsichtlich des Depots wenig Aufregung und wenig Diskussionsbedarf zu verspüren.

In meiner Kalkulation nutzte ich für den schwankenden Anteil zusätzlich noch den Erwartungswert. Das ist die angenommene Rendite für meine Investitionen. Bei den ETFs nehme ich als erwartete Rendite z.B. langfristig real 5% an. Diesen Erwartungswert nutze ich zusätzlich, um ein Gefühl für meine Zielerreichung zu bekommen. In den letzten Jahren war der Buchwert stets über dem Erwartungswert. In unserer Kalkulation ist eine mögliche Korrektur der Märkte daher bereits eingepreist.

Exemplarische Darstellung: Während der Buchwert den Markschwankungen ausgesetzt ist, haben der Investitionswert und der Erwartungswert eine kontinuierliche Steigerung.

Der Erwartungswert hilft bei stark steigenden Märkten keine falsche Erwartungshaltung zu produzieren.

Fazit

Wie schon der Börsen- und Finanzexperte André Kostolany sagte: „An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven und das Geld haben, das minus 1 auszuhalten.“

Enthält deine Vermögensübersicht schwankende Positionen wie z.B. Aktien oder ETFs, bietet es sich an, anstatt den ständig wechselnden Buchwert den konstanteren Investitionswert zu betrachten.

Du kannst deine Nerven schonen, indem du dich auf dein Investitionsziel konzentrierst und die täglichen Schwankungen an den Märkten ausblendest. Mithilfe eines Erwartungswertes kannst du grundsätzlich prüfen, ob du auf dem richtigen Weg bist. Schwankt dein Buchwert langfristig um den Erwartungswert bestehen gute Chancen, dass du dein Ziel erreichst.

Beitragsfoto von Simon Migaj on Unsplash

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