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Nutzt nachhaltiges Investieren in den Aktienmarkt nur unserem Gewissen?

Nachhaltiges Investieren wird oft gleichgesetzt mit der Investition in Unternehmen, die bestimmte nachhaltige Kriterien erfüllen. Doch welchen Einfluss kann ich als privater Investor überhaupt auf die Nachhaltigkeit ausüben?

Nachhaltiges Investieren am Beispiel der Dreckschleuder AG und der Grüne Welt AG

Stellen wir uns zwei Unternehmen vor. Die Dreckschleuder AG und die Grüne Welt AG. Für die Dreckschleuder AG stehen nachhaltige Aspekte nicht ganz oben auf der Tagesordnung und sie konzentriert sich voll und ganz auf das Geld verdienen. Die Grüne Welt AG dagegen hat soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit fest in der Unternehmens-DNA verwurzelt.

Du bist Investor und beide Unternehmen stehen zum Verkauf. In welches der Unternehmen investierst du?

Vermutlich wird die Antwort Grüne Welt AG heißen. Was passiert nun aber? Du kaufst die Anteile vom Vorbesitzer. Das Geld kommt nicht etwa der Grünen Welt AG zugute, um damit z.B. weiter nachhaltig zu investieren, sondern landet auf dem Konto des Vorbesitzers. Wirtschaftlich hat das Unternehmen von dieser Transaktion rein gar nichts.

Du bist jetzt in die Grüne Welt AG investiert. Stellen wir uns vor, du bist alleiniger Eigentümer. Du kannst mit deinem Mandat dafür sorgen, dass die Grüne Welt AG noch nachhaltiger wird. Gleichzeitig schert sich die Dreckschleuder AG nach wie vor nicht um Nachhaltigkeit und beutet die Umwelt und seine Mitarbeiter aus, um den Anteilseignern kurzfristige Gewinne zu ermöglichen und dem Management hohe Boni zu sichern.

Schauen wir uns ein anderes Szenario an. Du investierst nicht in die Grüne Welt AG, sondern in die Dreckschleuder AG. Auch hier sieht die Dreckschleuder AG keinen Cent von der Transaktion und hat somit keinen wirtschaftlichen Vorteil. Als alleiniger Eigentümer kannst du nun aber dafür sorgen, dass die Dreckschleuder AG ihre Gewinne nicht mehr den Anteilseignern auszahlt, sondern in Nachhaltigkeit investiert. So sorgst du mit deinem Investment insgesamt für mehr Nachhaltigkeit, musst aber auch bereit sein die Kosten – z.B. in Form von fehlenden Ausschüttungen – zu tragen.

Ja, Nachhaltigkeit ist eine Investition und kostet zunächst Geld.

Nutzt nachhaltiges Investieren in den Aktienmarkt nur unserem Gewissen?

Zugegeben, die wenigsten von uns haben genug Kleingeld auf dem Konto, um ein wirkungsvolles Mandat bei einem Unternehmen zu erlangen und dann auch noch die Zeit, bis die Früchte des nachhaltigen Handeln gepflückt werden können.

Wenn wir aber nicht das Individuum sehen, sondern eine Gruppe von nachhaltigen Investoren, dann müssten die konsequenterweise in die Dreckschleudern dieser Welt investieren, um wirklich etwas zu bewirken.

Die Investition in die Grüne Welt AGs hat zunächst einmal „nur“ eine positive Wirkung auf das persönliche Gewissen.

Aber nachhaltiges Investment hat doch Einfluss auf die Börsenkurse und setzt damit auch Anreize fürs Management

Man könnte jetzt argumentieren, dass weniger Investitionen in die Dreckschleuder AGs dieser Welt zu niedrigeren Börsenkursen führen müssten. Die Börsenkurse sind für das Management eines Unternehmens bekanntlich ein wichtiger Anreiz, da häufig das Bonussystem abhängig von den Kursen ist.

Nach dem Kapitalgutpreismodell (CAPM) und der Annahme, dass es immer eine ausreichend große Gruppe von nicht nachhaltigen Investoren geben wird, dürfte das nachhaltige Investieren von nur einer Gruppe nicht zu geringeren Kursen führen. Die Kurse würden durch die nicht nachhaltigen Investoren wieder zu ihrem „marktgerechten“ Preis getrieben, da die Investition aus monetären Gründen für diese Gruppe attraktiver wird.

Langfristig werden die Dreckschleuder AGs dieser Welt sicherlich – oder aus meiner Sicht hoffentlich – immer weniger Wert sein, da sie eben nicht nachhaltig sind. Ich denke allerdings, dass die Ursache dann eher an der fehlenden Nachfrage der Produkte liegt, weil die Verbraucher sensibler sind und/oder politische Regulatoren das Geschäftsmodell nicht mehr profitabel sein lässt.*

*Das gilt natürlich nicht für alle Produkte. Die wenigsten normalen Verbraucher kaufen Panzer oder anderes Kriegsmaterial. Hier sind andere Interessen im Spiel. Trotzdem – oder gerade deswegen – werden sich immer wieder genug nicht-nachhaltige Investoren finden, die den Preis der Anteile auf einem „marktgerechten“ Niveau halten werden.

Die gesellschaftliche Meinung, die Politik und die Verbraucher haben mehr Einflussmöglichkeiten auf Nachhaltigkeit

Meiner Meinung nach hat der zunehmende öffentliche gesellschaftliche Diskurs über Nachhaltigkeit eine größere Wirkung auf nachhaltige Entwicklungen als der einzelne Privatinvestor.

Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt. Die Politik, die zum einen das jetzige und zukünftige Wohlbefinden seiner Bürger im Sinn hat und zum anderen von eben diesen Bürgern gewählt wird, wird zukünftig weiter Nachhaltigkeitsaspekte forcieren. Der Verbraucher wird zunehmend sensibilisiert beim Konsum auf nachhaltige Aspekte zu achten.

Der wichtigste Aspekt für ein Unternehmen – und deren Investoren – ist Kunden für sein Produkt oder seine Dienstleistung zu finden. Nur so kann ein Unternehmen Profit machen.

Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten oder Dienstleistungen haben meiner Meinung nach damit einen höheren Einfluss auf die Motivation eines Unternehmens nachhaltiger zu werden, als die Gruppe der Investoren – zumindest wenn es sich um passive oder kurzfristig agierende Investoren oder Spekulanten handelt.

Und was heißt das jetzt für mich?

Jeder, der nachhaltig investieren möchte, soll das tun. Beispiele wie die Initiative von Blackrock zeigen, dass Investoren durchaus einen Einfluss ausüben.

Mit geht es in diesem Beitrag darum aufzuzeigen, dass Investitionen von Privatanlegern – zumindest bei der Investition in Aktien* –  weniger Einfluss auf Nachhaltigkeit haben als man im ersten Moment denken könnte. Hier ist meiner Meinung nach der Einfluss als Verbraucher und Wähler größer.

* Diese Argumentation bezieht sich auf Aktien, die bereits an der Börse gehandelt werden. Bei Aktien, die über einen Börsengang (IPO) auf den Markt kommen, stellt man dem Unternehmen frisches Eigenkapital zur Verfügung. Bei Unternehmensanleihen stellt man dem Unternehmen ein Kredit und damit Fremdkapital zur Verfügung. Hier fließt das Geld – anders als beim klassischen Börsenhandel – direkt in das Unternehmen.

Aus Renditegesichtspunkten könnte man argumentieren, dass nachhaltige Investments langfristig lukrativer sein müssten. Noch gibt es dazu keine verlässlichen Studien, da Nachhaltigkeitsaspekte beim Investieren erst seit ein paar Jahren relevanter geworden sind. Da die Überprüfung der Nachhaltigkeits-Kriterien sehr kostenintensiv ist, müssen diese Kosten durch eine höhere Rendite der Titel im Vergleich zum Gesamtmarkt kompensiert werden oder der Anleger akzeptiert bewusst (zumindest kurzfristig) niedrigere Renditen.

Das Thema Nachhaltigkeit beim Investieren wird zunehmend adressiert werden. Allein die Auseinandersetzung mit dem Thema hat hoffentlich bereits einen positiven Effekt. Doch, allein mit nachhaltig investieren setzt man meines Erachtens noch keinen grünen Fussabdruck. Dafür werden wir unser Verhalten als Verbraucher weiter ändern müssen.

Beitragsbild von Johannes Plenio on Unsplash

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